Die Schlosskapelle

Diese kleine gotische Kirche wurde zu Ehren des Hl. Sebastian im Jahre 1450 erbaut. Wie aus einer Inschrift am Triumphbogen mit dem Namen Christoph von Firmian als Erbauer ersichtlich ist, wurde die Kirche jedoch erst im Jahre 1475 eingeweiht.

Der gotische Bau weist zwei Spitzbogenportale auf, deren westliches mit schöner Steinmetzarbeit mit Schildhaltern in Engelsgestalt verziert ist.

Während im Chor drei Spitzbogenfenster vorhanden sind, wird das Langhaus nur durch ein Südfenster erhellt.

Somit steht der Bau noch in der Tradition der spätromanischen Bergkirchen in Südtirol, welche eine wichtige Schutzfunktion erfüllten und auf eine Belichtung von Norden verzichten. Ebenso weisen der mächtige, quadratische Turm und der Altar mit einer gewaltigen Rotmarmorplatte in das Spätmittelalter.

Im Inneren zeigt sich ein schönes, gotisches Netzgewölbe mit Ranken- und Blumenornamenten, Allianzwappen an den Schlusssteinen und fein gearbeitete Steinplastiken an den Gewölbekonsolen, welche das Stifterpaar Firmian darstellen. Insgesamt zeugen die Arbeiten im Kircheninneren von profundem, hochgotischem Steinmetzschaffen.

   

  

 

 

Die Seitenaltäre aus der Barockzeit mit geschwungenen Giebeln und kostbarem Furnier datieren um 1740 und zeugen von hoher handwerklicher Qualität.

Der Hochaltar ist mit Bildern aus dem 18. Jahrhundert vom Wiener Künstler Franz Altmutter versehen: Ecce homo und Hl. Sebastian.

Die edle Ausführung sämtlicher Elemente legen die Vermutung nahe, dass hier Steinmetze der Baustellen des Sankt Paulser Doms, der Stadtpfarrkirche Meran oder der Kirche Unser Lieben Frau in Neumarkt tätig waren. Darauf lassen auch dieselben Steinmetzzeichen schließen. Als Christoph von Firmian diesen Bau durchführte, kam ihm wohl die Nähe dieser Großbaustellen zugute.

Um 1850 wurde über dem Westportal eine Sandsteinrosette mit Glasfenstern eingefügt,                                                                                         signiert mit dem Namen unserer Urgroßmutter Therese Gräfin Thun-Hohenstein.

So konnte abseits der großen Kunstzentren ein Werk entstehen, das sich zwar in seinen Dimensionen bescheiden gibt, aber im Raumbild und in seiner Detailgestaltung auf der Höhe der Zeit stehen und die Ausstrahlung der süddeutschen Gotik bis ins Überetsch erkennen lässt.

 

 

Im Jahre 2015 wurde eine Generalsanierung der Kapelle in Angriff genommen. Die noch originale gotische Dachkonstruktion wurde komplett übergangen und an den schadhaften Stellen ergänzt. Die alten Dachziegel wurden gereinigt, neu verdrahtet und wieder fixiert. Die Schäden am Putz wurden geschlossen und die Fassade von Moss und Flechten gereinigt. Die  Sandsteinportale erstrahlen nach der Reinigung und Fugenkorrektur nun wieder in neuem Glanz.

Der große Aufwand waren die barocken Seitenaltäre mit dem Holzfurnier und Intarsien. Hier hatte Sonnenhitze, Winterskälte und Feuchtigkeit großen Schaden angerichtet. Die Ölbilder waren tlw. schwer beschädigt und die Figuren und Engel in arge Mitleidenschaft gezogen. Durch eine großzügige Unterstützung der Messerschmittstiftung unter der Leitung von Hans-Heinrich Ritter von Srbik konnte die Last der Restaurierungsarbeiten wesentlich erleichtert werden. Ebenfalls konnte Frau Dr. Waltraud Kofler-Engel vom Landesdenkmalamt Südtirol einen Beitrag zur Verfügung stellen.

Heute blickt die Schlosskirche wieder erfrischt über das Tal und ist in ihrer alten Funktion wieder ein Anziehungspunkt für kirchliche Feiern.   

  



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